DIK - Deutsche Islam Konferenz - Reden + Interviews - Grußwort zur Preisverleihung

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Grußwort zur Preisverleihung

Preis für vorbildliche Projekte von und mit Muslimen

Es gilt das gesprochene Wort.

"Heute wird viel diskutiert über das Thema Integration. Bei aller Kritik an bestehenden Integrationsdefiziten dürfen wir jedoch eines nicht aus dem Blick verlieren:

•Bereits heute ist die Mehrheit der Muslime zu Hause in Deutschland.
•Bereits heute übernehmen viele Muslime Verantwortung für unser Land.
•Bereits heute verstehen sich viele Muslime als "Citoyens", also als mündige, freie und selbstbewusste Bürger.
•Und bereits heute gibt es viele Bürgerinnen und Bürger muslimischen Glaubens, die Initiativen gründen, um ihr eigenes Leben und das Leben anderer positiv zu verändern.

Getreu dem alten Journalistenmotto: "only bad news is good news" finden diese positiven Aktivitäten selten den Weg in die Schlagzeilen und damit in eine breitere Öffentlichkeit.

Das ist der Grund, warum ich den Integrationspreis ausgelobt habe. Wir wollen zeigen: Es gibt eben auch viel Licht und nicht nur Schatten (wie manche Polemik der vergangenen Wochen und Monate uns glauben machen will).

Nun zur heutigen Preisverleihung: Es haben sich fast 200 Projekte beworben. Das finde ich beachtlich.

Eine unabhängige Jury – der ich an dieser Stelle ganz herzlich für ihr Engagement danke – hat über die Preisträger entschieden. Zu den einzelnen Projekten darf ich noch nichts sagen. Das übernehmen gleich im Anschluss Herr Djafari, Herr Sorgec, Frau Yakar und Herr Mohammed als Mitglieder der Jury.
Lassen Sie mich jedoch vorher noch kurz etwas zur Deutschen Islam Konferenz sagen.

Die Islam Konferenz beschäftigt sich mit Fragen der strukturellen und der gesellschaftlichen Integration der Muslime und ihrer Organisationen.

Das hört sich sehr theoretisch an. Ist es aber nicht. Es ist sogar sehr praktisch. Und das ist auch genau das, was mir wichtig ist.

Das Arbeitsprogramm, das am 17. Mai durch das Plenum der Islamkonferenz angenommen wurde, beschreibt die vielfältigen Aufgaben. Arbeitsgruppen wurden eingerichtet und Projekte in Auftrag gegeben:

•Da geht es um die Erarbeitung eines Modellkonzepts für die Imamfortbildung in Deutschland.
•Da geht es um die Durchführung einer Konferenz zum islamischen Religionsunterricht im Februar 2011.
•Im Bereich der Geschlechtergerechtigkeit haben wir eine Auswertung bestehender Daten in Auftrag gegeben, die sich mit der Weitergabe von Geschlechterrollen in muslimischen Milieus befasst.
•Es geht aber auch um die Prävention von Islamismus bzw. religiös begründetem Extremismus.
•Und es geht um die Förderung gegenseitiger Toleranz. Eine Arbeitsgruppe soll langfristig konkrete präventive Maßnahmen für die Jugendarbeit entwickeln und begleiten.

Dass dieser Dialog auch Konflikte aufgreift, halte ich für selbstverständlich. Zur gelungenen Integration gehört nun mal auch der Streit.

Unterschiede muss man diskutieren, um sie verstehen zu können.

Und manchmal stößt man an Grenzen – und auch da müssen wir gemeinsam Lösungen finden. Gemeinsam überwundene Konflikte bilden eine bessere Grundlage für unser Zusammenleben als falsche Harmonie-Sauce, die alle Konflikte übertüncht.

Bewusst habe ich mich entschieden, den Integrationspreis wenige Tage vor dem höchsten islamischen Feiertag, dem islamischen Opferfest, zu verleihen. Denn dieser Feiertag hat nicht nur eine große Bedeutung für die Muslime, sondern auch für unseren Dialog:

Das islamische Opferfest erinnert an Abraham, denn die Abrahamerzählung des Alten Testaments findet sich in leichter Abwandlung auch im Koran. Abraham wird hier aufgefordert, seinen Sohn zu opfern. Als Abraham dieser Aufforderung im Vertrauen auf Gott nachkommen will, greift Gott ein und bietet anstelle des Sohnes (Isaak im Alten Testament, Ismael nach islamischer Tradition) einen Schafbock als Opfer an.

Auch Juden und Christen verehren in ihren jeweiligen religiösen Traditionen Abraham als einen ihrer Urväter. Wir sprechen deshalb von einer gemeinsamen abrahamitischen Tradition.

Die heute zu prämierenden Projekte, aber auch alle anderen Aktivitäten, die sich um Integration, um Gemeinsamkeiten bemühen, greifen den Kern dieser gemeinsamen Tradition auf. Sie zeigen, dass – trotz aller Unterschiedlichkeit im Detail – Gemeinsamkeit möglich ist.

Uns verbindet viel mehr als viele von uns glauben. Und darauf können wir aufbauen – darauf müssen wir aufbauen. Ich rufe alle auf, daran mitzuwirken. In diesem Sinne wünsche ich den Muslimen in Deutschland ein gesegnetes Fest und uns heute hier eine stimmungsvolle Preisverleihung."


von Bundesminister
Dr. Thomas de Maizière

Zusatzinformationen

Jugendliche schwenken die deutsche Fahne aus Fenster

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Gemeinsam gegen gesellschaftliche Polarisierung

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