DIK - Deutsche Islam Konferenz - Türkische Architektin - Sakirin-Moschee: Innenarchitektin entwirft als erste Frau Moschee in der Türkei

Navigation und Service

Sakirin-Moschee: Innenarchitektin entwirft als erste Frau Moschee in der Türkei

Datum 11.11.2009
Typ sonstige

Text des Audio für hörbehinderte Menschen

Wer kennt sie nicht, die „Hagia Sophia“ und die „Blaue Moschee“? Beides architektonische Prachtbauten von Istanbul. Nun aber sollte man sich noch einen dritten Namen merken, die „Sakirin-Moschee“, denn hier ist fast alles anders als in den knapp 3.000 Moscheen von Istanbul. Die Wände sind nicht aus Stein, sondern aus Glas. Der kreisförmige Leuchter nicht aus Eisen, sondern aus Plexiglas. Selbst die Minbar - die Kanzel - ist nicht aus Holz oder Stein, sondern eine verzierte Treppe aus Acryl. Und die Mihrab, die den Gläubigen die Gebetsrichtung anzeigt, ist ein prächtiger türkisfarbener Torbogen mit einem goldenen Kern, ein Blickfang und Anziehungspunkt zugleich. Dennoch war Zeynep Fadillioglu, die Innenarchitektin, bei der Eröffnung nervös. „Wie die Moschee wohl bei der Gemeinde ankommen wird, ehrlich gesagt, fragte ich mich, ob sie die Moschee überhaupt akzeptieren würden.“ Bereits vor der Eröffnung sorgte Fadillioglu, die bis dahin edle Bars und Hotels entworfen hatte, für Aufsehen. Schließlich betrat sie Neuland. Erstmals aber übernahm auch eine Frau die führende Rolle bei der Gestaltung der Moschee. „Ich muss gestehen, bis ich darauf hingewiesen wurde, habe ich den Unterschied, dass eine Frau eine Moschee gestaltet, nicht einmal bemerkt.“

Für die selbstbewusst auftretende Frau mit dunkelblondem Haar steht fest, eine Frau kann alles, was ein Mann auch kann. Um aber bei der Gestaltung mögliche Missverständnisse zu vermeiden, arbeitete sie eng mit Islamwissenschaftlern zusammen, sie ist jedoch nicht angetreten, um den Islam neu zu definieren, sondern um als moderne muslimische Frau ein Zeichen zu setzen. „Ich bin eine gläubige Muslimin und kenne den Islam. Wenn man den Geist des Islam kennt, dann ist solch ein Angebot eine schwierige Herausforderung, deren große Verantwortung ich durchaus gespürt habe, auch als Frau. Es war sehr wichtig, dass auch ich als moderne denkende muslimische Frau bei solch einem wichtigen Bauwerk einen Beitrag leisten konnte. So können wir zeigen, was die moderne türkische Frau kann und auch, was die moderne muslimische Frau kann. Für mich ist das ein schönes Ergebnis, eines der wertvollsten Dinge meines Lebens sogar.“

Die „Sakirin-Moschee“ liegt auf der asiatischen Seite Istanbuls im Stadtteil Üsküdar. Hier auf dem historischen Friedhof von Karacaahmet liegt die Mutter der Auftraggeber, die in London lebende Schakir-Familie. Doch eine Replik traditioneller Bauten aus der osmanischen Zeit sollte die Moschee keinesfalls werden. „Ich bin jemand, der viel in Moscheen arbeitet, stark von der Tradition geprägt wurde und diese in einer gänzlich neuen Art mit meiner eigenen modernen Designsprache neu interpretiert.“ Gelungen ist dies der ruhigen und zurückhaltenden Designerin Fadillioglu in der Tat. Mit Platz für 340 Menschen ist die lichtdurchflutete „Sakirin-Moschee“ bereits für viele eine Oase der Ruhe und der Meditation. Damit aber auch Frauen einen gleichberechtigten Platz in der Moschee bekommen und nicht nur hinter den Männern sitzen oder durch eine Hintertüre kommen müssen, haben sie in der „Sakirin‑Moschee“ zusammen mit den Männern einen gemeinsamen Eingang, der Innenhof der Moschee. Hier plätschert ein Brunnen in Form einer hochglanzpolierten rollenden schwarzen Kugel, die das Weltall symbolisieren soll. Der Gebetsraum für die Frauen ist nicht abgetrennt, es ist eine große und offene Empore, deren Gestaltung den gleichen lichtdurchfluteten Stil aufweist wie der Hauptraum. „In meiner Kindheit hatten die Moscheen eine gänzlich andere Bedeutung. Die Menschen benutzten sie wesentlich problemloser und auch Frauen gingen oft ein und aus. Aber in unserer Zeit werden die Frauenbereiche komplett abgeriegelt, mit primitiven Ausgängen versehen und wie dunkle Löcher in neuen Moscheen gebaut. Die große Berichterstattung aber, dass erstmals eine Moschee von einer Frau gebaut wurde, hat bei den Frauen etwas ausgelöst, sie stehen zu dieser Moschee und nehmen sie an.“  

Fadillioglu wünscht sich, dass die Frauen in ihrer Moschee einen gleichberechtigten Platz bekommen und in die ersten Reihen aufrücken können. Emine Erdogan, die Gattin des türkischen Ministerpräsidenten, bekräftigte sie anlässlich der Eröffnungsfeier im Mai mit den Worten: „In unserer Religion und Kultur gibt es zwischen der Frau und der Moschee keine Trennung. Mit ihrem Stil hat Fadillioglu  offenbar einen Nerv der Zeit getroffen. Die „Sakirin‑Moschee“ fand nicht nur in der Türkei viel Beachtung. Fadillioglu hat bereits ein Angebot aus Katar und sich auch an dem Wettbewerb um die Gestaltung der Kölner Moschee beteiligt.