Von einer Initiative zu einem gemeinsamen Weg
"Es geht darum, die Zukunft miteinander zu gestalten", betonte Dr. Wolfgang Schäuble, damaliger Bundesinnenminister und Initiator der Deutschen Islam Konferenz, im November 2006 kurz nach dem Start der Deutschen Islam Konferenz (DIK).
Dazu müssten Alltagsprobleme gelöst werden, gemeinsam islamistischer Terror bekämpft werden und es gehe auch darum, Arbeitslosigkeit und Bildungsbenachteiligung zu verringern. Schäuble: "Wir wollen einen ständigen Dialog, wie es im Koalitionsvertrag steht, da Muslime in Deutschland nicht mehr länger eine ausländische Bevölkerungsgruppe darstellen, sondern Bestandteil unserer Gesellschaft geworden sind."
Der Dialog: Offen, langfristig, kontrovers
Der Religionsunterricht in Koranschulen und an staatlichen Schulen, die Kopftuchfrage, die Imamausbildung, die Rolle der Frauen und Mädchen, das Schächten - es gibt genügend Themen, die sich die Teilnehmer der Deutschen Islam Konferenz vornehmen wollen und müssen. "Wir haben nicht vor, eine harmonische und nur auf Konsens ausgerichtete Veranstaltung durchzuführen", machte der Bundesinnenminister in seiner Regierungserklärung nach der ersten Plenarsitzung deutlich. Der Start sei gelungen, so Schäuble weiter, weil alle einander zugehört hätten und sich zum Schluss einig gewesen seien, dass sie weitermachen sollten.
Der Islam: Andere Strukturen, neue Herausforderungen
Die von der DIK in Auftrag gegebene Studie "Muslimisches Leben in Deutschland" hat ermittelt, dass ca. 3,8 bis 4,3 Millionen Muslime in der Bundesrepublik leben - damit sind sie nach den Christen die zweitgrößte religiöse Gruppe im Land. Die meisten Muslime sind selbst eingewandert oder als Kinder von Zugewanderten hier geboren und stammen überwiegend aus der Türkei, Bosnien-Herzegowina, Iran, Marokko oder Afghanistan.
Für Deutschland ist der Islam daher eine vergleichsweise neue Religion. Die muslimischen Verbände wollen vom Staat gleichberechtigt behandelt werden, so wie die christlichen Kirchen hierzulande. "Dann müssen sie aber auch die organisatorischen Voraussetzungen dafür schaffen", fordert Dr. Wolfgang Schäuble. Denn im Vergleich zu anderen religiösen Gruppen ist der Organisationsgrad der Muslime gering.
Laut der Studie "Muslimisches Leben in Deutschland, die das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge im Auftrag der Islamkonferenz durchgeführt hat, geben insgesamt 20 Prozent der befragten Muslime an, Mitglied in einem religiösen Verein oder einer Gemeinde zu sein. Die Zahl der Moscheebesucher ist jedoch weit größer. Aufgabe der DIK ist es daher auch, zu erörtern, wie der Islam den Organisationserfordernissen des deutschen Religionsverfassungsrechts gerecht werden kann. Dazu Bundesinnenminister Schäuble: "Beim Dialog mit den christlichen Kirchen, den es intensiv gibt, tun wir uns nicht nur aus geschichtlichen Gründen leicht, sondern auch deswegen, weil die christlichen Kirchen klar verfasst und organisiert sind. Die Muslime sind das nicht; das ist für uns neu."
Das Ziel des Initiators: Verständnis, Toleranz, Vielfalt
"Ich verbinde mit der Eröffnung des Dialogs mit den Muslimen die Hoffnung, dass alle verstehen, dass Muslime in Deutschland willkommen sind.[...] Zu den Wirkungen, die diese Konferenz haben soll, gehört natürlich auch, dass unsere Gesellschaft stärker zur Kenntnis nimmt, dass Muslime Teil dieser Gesellschaft sind. [...]Ich hoffe, dass es mit der Deutschen Islam Konferenz gelingt, nicht nur praktische Lösungen zu finden, sondern auch mehr Verständnis, Sympathie, Friedlichkeit, Toleranz und vor allen Dingen mehr Kommunikation und Vielfalt zu schaffen und damit zur Bereicherung in unserem Land beizutragen.[...]
Es war eine offene und in Teilen durchaus kontroverse Debatte. Es wäre unehrlich, etwas anderes zu sagen. Allerdings hat niemand auch nur den geringsten Vorbehalt gegenüber der Gültigkeit unserer Verfassungs- und Rechtsordnung geäußert. Das war so selbstverständlich wie nichts anderes. Auch das muss klar gesagt werden." Dennoch: "Das wird ein schwieriger Weg sein und - das haben alle gesagt - es liegt viel Arbeit vor uns", stellte Dr. Wolfgang Schäuble in seiner Regierungserklärung 2006 "Deutsche Islam Konferenz - Perspektiven für eine gemeinsame Zukunft" fest.
DIK-Redaktion, 09.03.2010
