Dachverband der Bosniaken als neues Mitglied der DIK
In einer IGBD-Moschee in Berlin.
Zur zweiten Phase der DIK ist die "Islamische Gemeinschaft der Bosniaken in Deutschland e.V. (IGBD)" eingeladen worden, damit auch auf Seiten der muslimischen Organisationen bosnische Muslime eigenständig in der Islamkonferenz vertreten sind. Unter den muslimischen Einzelpersonen gibt es bereits eine Teilnehmerin mit bosnischem Hintergrund, die Islamwissenschaftlerin Dr. Armina Omerika.
30.000 Mitglieder in der Islamischen Gemeinschaft der Bosniaken
Die IGBD ist der Bundesdachverband der muslimischen Bosnier (Bosniaken) und wurde 1994 gegründet (damals: VIGB e.V. - Vereinigung islamischer Gemeinden der Bosniaken in Deutschland). Mustafa Efendi Klanco ist seit 2007 Vorsitzender und Mufti der IGBD, Generalsekretär ist Muhamed Baščelić.
Heute gibt es in Deutschland 65 bosnische Moscheegemeinden und Kulturzentren mit rund 30.000 Mitgliedern, die zur IGBD zählen. Die meisten dieser Moscheen haben von der IGBD festangestellte Imame.
Verbindung zu Bosnien
Die IGBD versteht sich als Auslandsbezirk der Islamischen Gemeinschaft in Bosnien-Herzegowina und ist mit zwei Delegierten in der "Obersten Versammlung" (Sabor) der Islamischen Gemeinschaft in Bosnien-Herzegowina vertreten.
Die Struktur des Islam in Bosnien findet in Deutschland ihre Fortsetzung und zeigt sich vor Ort darin, dass die bosnischen Gemeinden stärker als andere auf ihre Imame ausgerichtet sind. Arbeitsschwerpunkte in den Moscheen sind Religionsunterricht für Kinder, Jugendarbeit sowie interreligiöser Dialog.
Europäisch: Der Islam in Bosnien
Der bosnische Islam weist eine lange Erfahrung im Zusammenleben mit Christen auf. Die Trennung von Staat und Religion stellt für die bosnischen Muslime seit 1878 eine unhinterfragte Wirklichkeit dar. Zudem haben sie eine transparente Organisationsstruktur entwickelt, die synodale und hierarchische Elemente miteinander verbindet.
Geistiges Oberhaupt der Bosniaken ist Dr. Mustafa Efendi Cerić. Weil er als Europäer die Integration der Muslime in die europäische Gesellschaft sowie den friedlichen Dialog zwischen den Religionen fördere, wurde Mustafa Cerić 2007 mit dem Theodor-Heuss-Preis ausgezeichnet. 2008 erhielt er für sein Engagement im interreligiösen Dialog den Eugen-Biser-Preis.
540.000 Muslime aus Südosteuropa leben in Deutschland
Laut der Studie "Muslimisches Leben in Deutschland" des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge leben in Deutschland rund 540.000 Muslime, die aus den Ländern des ehemaligen Jugoslawien stammen. Mit knapp 14 Prozent ist die Gruppe der Muslime aus Südosteuropa die zweitgrößte nach der Gruppe der türkischstämmigen Muslime in Deutschland. Rund 89 Prozent schätzen sich als religiös oder sehr religiös ein, besuchen aber nur selten religiöse Veranstaltungen. Die gesellschaftliche Integration dieser Bevölkerungsgruppe ist laut der Studie recht gut, da sie eine hohe Kontaktdichte zu Deutschen und eine hohe interreligiöse und interethnische Offenheit aufweist.
Ausbildung von bosnischen Imamen
Die Islamische Gemeinschaft in Bosnien setzt hinsichtlich der Imamausbildung Maßstäbe, da seit 2005 die Tätigkeit als Imam ein abgeschlossenes Theologiestudium voraussetzt, welches bereits tätige Imame gegebenenfalls nachholen müssen. Zum Studium gehören neben religiösen auch gesellschaftliche Fächer sowie europäische Fremdsprachen.
Ein wichtiges Thema in der zweiten Phase der DIK ist die Einrichtung und Etablierung von islamischer Theologie an deutschen Hochschulen mit dem Ziel islamische Theologen, Imame und islamische Religionslehrer auch in Deutschland auszubilden. Gerade zu diesem Themenkomplex wird die IGBD sicher viele Erfahrungen einbringen können.
Julia Ghamin, 17.05.2010
